
Vorbemerkung:
Der Lateinunterricht leistet als reflexionsorientierter Unterricht einen herausragenden Beitrag zur Sprachbildung, indem er Einsichten in das Funktionieren von Sprache vermittelt und zu einem bewussten Umgang mit Sprache führt. Latein dient somit als Brückensprache und fördert somit auch wesentlich die Mehrsprachigkeit. Darüber hinaus dient der Lateinunterricht auch als kulturelle Brücke, indem er Einblicke in historische und kulturelle Fundamente der Gegenwart ermöglicht sowie kulturelle und interkulturelle Wandlungsprozesse durch mittel- und neulateinische Literatur erschließbar macht.
Schülerinnen und Schüler treten in historische Kommunikation mit Texten, die auch grundlegende Fragen der menschlichen Existenz aufwerfen. Sie diskutieren eigene Vorstellungen und Werte und entwickeln Strategien zum Transfer, die zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung beitragen.
(aus: Fachbrief 12/2025)
Latein als regulärer Leistungskurs oder als Grundkurs mit der Möglichkeit einer Abiturprüfung
Du hast Latein in Klasse 7 begonnen oder im Wahlpflichtbereich ab Klasse 9 und überlegst nun, Latein in der Oberstufe zu belegen?
Dann helfen dir vielleicht unsere Erklärungen zu Latein als Grundkurs oder Leistungskurs! Viel Spaß bei der Lektüre!
Bitte beachte folgenden wichtigen Hinweis: Das Zustandekommen aller Kurse in der Oberstufe hängt davon ab, ob genügend Schüler:innen den jeweiligen Kurs wählen. Als Richtlinie gilt: 10 Schüler:innen sollten es schon sein.
Im Prinzip gibt es keine wesentlichen Unterschiede zwischen Latein als Grundkurs oder als Leistungskurs.
Wir lesen Originaltexte aus dem alten Rom. Also Texte, die vor rund 2000 Jahren entstanden sind. Jetzt merkt ihr, dass ihr tatsächlich verstehen könnt, was Menschen vor so langer Zeit aufgeschrieben haben.
Aber: Für alle, die zum Schuljahr 2026/27 in die Oberstufe eintreten, ändert sich der Lektürekanon. Ab jetzt werden nicht nur antike (und spätantike) Texte gelesen, sondern auch mittelalterliche und neuzeitliche lateinische Texte!
Im Fach Latein sind je Kurshalbjahr ein bis zwei Kerntexte und weitere Zusatztexte (auch zweisprachig) zu behandeln.
Im 1. Semester wird noch neue Grammatik eingeführt. Ab dem 2. Semester wird Grammatik regelmäßig an Originaltexten wiederholt.
Übersetzen, den Text verstehen, diskutieren – das sind die Kernbereiche in der Oberstufe.
Wer Latein in Klasse 7 begonnen hat, erhält das Latinum nach dem 2. Semester, wenn mindestens 5 Punkte erreicht werden.
Wer Latein in Klasse 9 im WP-Bereich begonnen hat, erhält das Latinum nach dem 4. Semester, wenn mindestens 5 Punkte erreicht werden.
Latein wählen?
Du überlegst, Latein zu wählen? Du überlegst, ob Du Leistungskurs oder Grundkurs nehmen sollst? Du hast diese Informationen gelesen, aber bist immer noch unsicher? Du hast mit deiner Fachlehrerin schon gesprochen, aber möchtest nochmal eine andere Meinung hören? Dann steht dir die Fachleiterin gerne für alle Fragen rund um Latein zur Verfügung. Schreibe einfach eine Mail an
Gerne bieten wir auch die Möglichkeit einer Hospitationsstunde an.
Auszug aus dem Fachbrief Nr. 9 Alte Sprachen – Dezember 2025
Bedeutung der drei Kompetenzbereiche im Modell
Das neue Kompetenzmodell setzt sich aus den drei Kompetenzbereichen Sache (fachliche Kompetenzen), Strategie (fachliche und überfachliche Methodenkompetenzen) und Person (individuelle Kompetenzen) zusammen, die sich wechselseitig beeinflussen und einander bedingen. Zudem entstehen aus der Schnittmenge zweier Kompetenzbereiche komplexe fachübergreifende Kompetenzen (Superkompetenzen):
Fähigkeit zum Lerntransfer, Fähigkeit zum Meta-Lernen und Translationskompetenz. Diese fachübergreifenden Kompetenzen (Superkompetenzen) begleiten den gesamten Lernprozess. Die zentrale Handlungs- bzw. Zielkompetenz des altsprachlichen Unterrichts (im Kompetenzmodell nicht dargestellt) ist die individuelle Bildung von Schülerinnen und Schülern, die inspiriert gegenwarts-, gesellschafts- und selbstbezogen handeln.
Der Kompetenzbereich Sache ist auf fachspezifische Inhalte und Aspekte gerichtet und konkretisiert sich in den Basiskompetenzen Kulturkompetenz, Literaturkompetenz und Sprachkompetenz.
Der Kompetenzbereich Strategie zielt auf die Fähigkeit ab, Methoden adäquat zur Lösung fachlicher Aufgaben und Probleme anzuwenden. Dieser Kompetenzbereich konkretisiert sich in den Basiskompetenzen Sprachlernkompetenz und Text- und Interpretationskompetenz.
Der Kompetenzbereich Person nimmt die Schülerinnen und Schüler als lernende, denkende und kommunizierende Personen in den Blick, die ihre individuellen Fähigkeiten entwickeln, wobei der fortschreitende Kompetenzerwerb in der Selbstreflexion, Eigenständigkeit und kritischen Auseinandersetzung mit erworbenem Wissen erfolgt.
Dieser Kompetenzbereich konkretisiert sich in den Basiskompetenzen Sprachbewusstheit und Fähigkeit zur historischen Kommunikation.
Bedeutung der Schnittmengen im Modell
Die überfachliche Translationskompetenz entsteht als Schnittmenge der Kompetenzbereiche Sache und Strategie und bezeichnet die Fähigkeit der Lernenden zu einem tiefen Textverständnis, indem sie Texte einer Ausgangssprache (Latein) entschlüsseln, verstehen bzw. deuten und schließlich in die Zielsprache (Deutsch) übertragen.
Die überfachliche Kompetenz Fähigkeit zum Lerntransfer entsteht als Schnittmenge der Kompetenzbereiche Person und Sache und bezeichnet das Verhältnis zwischen fachlichem und individuellem Kompetenzerwerb. Die Lernenden übertragen Vorwissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten durch Vergleich und Abstraktion auf andere Kontexte oder verschiedene Fachgebiete und integrieren die erworbenen Kompetenzen langfristig in ihr individuelles Lernen und Handeln.
Die überfachliche Kompetenz Fähigkeit zum Meta-Lernen ist die Schnittmenge der Kompetenzbereiche Person und Strategie. Das Meta-Lernen macht das Lernen selbst zum Gegenstand, unterstützt die individuelle Steuerung des eigenen Lernens und ist auf ein lebenslanges Lernen ausgerichtet. Die Fähigkeit zum Meta-Lernen zeigt sich in einer fortschreitenden Selbstregulation des Lernens (eigenverantwortliches Planen, Überwachen und Anpassen der individuellen Lernstrategie) und in der Reflexion des eigenen Lernprozesses. Im altsprachlichen Unterricht lässt sich die Fähigkeit zum Meta-Lernen in besonderem Maße fördern, da der Spracherwerb in Latein und Altgriechisch überwiegend rezeptiv und reflexionsbasiert erfolgt. Aus dem neuen Kompetenzmodell leiten sich veränderte abschlussorientierte Standards ab.
Verteilung der Themenfelder auf die Kurshalbjahre der Qualifikationsphase (Q1 – Q4)
In allen vier Kurshalbjahren wurden neue Themenfelder festgelegt, in die sich bewährte Unterrichtsinhalte gut integrieren lassen. Gestärkt wurde das Thema Rhetorik, im dritten Kurshalbjahr kann so ein besonders deutlicher Lebensweltbezug hergestellt werden. Die Zuordnung der Themenfelder zu den Kurshalbjahren der Qualifikationsphase ist für den Grund- und Leistungskurs verbindlich.
Themen in der Oberstufe
Q1: Lebensentwürfe und Lebenswelten im Wandel der Zeit
Q2: Welt und Wissen: Religion, Mythologie und Philosophie
Q3: Das Wort als Waffe und als Propagandamittel: Rhetorik
Q4: Zwischen Lust und Leid: Ausdrucksformen menschlichen Empfindens
Zu jedem Themenfeld werden Lektürevorschläge angeführt, die die gesamte Bandbreite der lateinischen Literatur von der Antike bis zur Neuzeit abbilden. Diese Vielfalt ermöglicht die Erstellung eines schulinternen Curriculums, das die Interessen der Schülerinnen und Schüler noch stärker berücksichtigt. Es ist möglich, einen Autor (z. B. Cicero, Ovid) in mehreren Kurshalbjahren mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten zu behandeln. Für das Abitur werden die inhaltlichen Schwerpunkte der jeweiligen Prüfungsschwerpunkte gesondert bekannt gegeben. Auf eine Nennung spezifischer Autoren für die Übersetzungsaufgabe wird künftig verzichtet, um einer größeren Vielfalt der möglichen Lektüren Rechnung zu tragen. Zudem werden mögliche Verknüpfungen zu den übergreifenden Themen des Teils B ausgewiesen. Dichtung und Texte der mittel- und neulateinischen Literatur werden in mindestens zwei Kurshalbjahren behandelt.
Fachbrief 12/2025
Quelle: https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fachbriefe-alte-sprachen
Im 1. Semester werden vorrangig Briefe von Cicero und Plinius gelesen, in denen sie uns so manches über das alltägliche Leben in Rom berichten.
Aus diesen Briefen können wir viel erfahren über die Liebe zur Gattin, über die Liebe zum Sohn, über die Behandlung der Sklaven, über das Leben auf dem Forum, über die Pflichten des reichen Römers, über seine Freizeit und die antike Medizin. Was hat ein typischer Römer über seine Ehe gedacht, hat er seine Ehefrau vermisst, worüber hat er sich Sorgen gemacht? All das bringen uns diese Schriften nahe und wir entdecken, dass menschliche Gefühle über so viele Jahrhunderte doch recht ähnlich sind.
Aber konnte ein Römer über sein Leben frei entscheiden? Konnte er entscheiden, wie er leben möchte? Und wie war das bei den Frauen? Besaßen sie überhaupt irgendeine Definitionsmacht über ihr Leben? Und wie sah das bei den Sklaven und Sklavinnen aus?
Ausgehend von diesen Fragen schauen wir uns Lebensentwürfe im Mittelalter und in der Neuzeit an. Die Schlussbetrachtung soll aufzeigen, ob wir heute andere Möglichkeiten der freien Entfaltung besitzen und ob auch uns heute Grenzen gesetzt werden.
Im 2. Semester beschäftigen wir uns mit den römischen Modellen zur Erklärung der Welt
Religionen und Philosophien bieten den Menschen seit jeher Erklärungen über die Existenz dieser Welt, über unsere menschliche Existenz und über den Sinn des Lebens. Die Römer haben mit ihrer Mythologie und ihren Gottheiten versucht, die Unberechenbarkeit der Natur, Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten zu erklären. Sogenannte aitiologische Dichtungen, wie sie Ovid in seinem Meisterwerk, den Metamorphosen, zusammengefügt hat, waren stets Versuche, diese Welt zu erklären.
Und wie sah das im Mittelalter aus? Welche neuen Erklärungsmodelle brachten aufkommende Wissenschaften wie Astronomie, Physik und Biologie? Welche Gefahren sahen darin die Kirchen?
Und wer erklärt heute die Welt? Welche Macht besitzen dabei die Medien, die Religionen, die Politik, die Wissenschaft und selbsternannte Heilsbringer wie Reichsbürger oder Verschwörungsideologinnen? Und welche Rolle spielt dabei Künstliche Intelligenz?
Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema soll euch darin stärken, Wahrheiten zu hinterfragen und euch in dieser Welt zu positionieren.
Vielleicht wird in Zukunft das 3. Semester das wichtigste werden, um euch für die Zukunft fit zu machen.
Rhetorik - die Kunst des Überzeugens oder des Überredens? Schon in der Antike war das die alles entscheidende Frage. Nicht umsonst bedeutet das lateinische Verb "persuadere" beides - überzeugen und überreden.
Ausgehend von Ciceros meisterlich konzipierten Reden schauen wir uns Reden an, mit denen Weltgeschichte geschrieben wurde. Wir werden nicht umhinkommen, uns mit den Reden heutiger Politiker:innen im In- und (außer)europäischen Ausland auseinanderzusetzen, um die Macht der Manipulation zu enttarnen.
Schon Augustus hat das Bild als Waffe entdeckt. Auch mit der Kraft der Bilder im Wandel der Zeit und heute werden wir uns auseinandersetzen.
Während der Behandlung dichterischer und philosophischer Texte rückt das Individuum in den Mittelpunkt.
Philosophie im alten Rom, das ist Lebenspraxis pur: Was macht ein Leben lebenswert? Was ist Freundschaft? Was ist Liebe? Und kurz vorm Abi ganz aktuell: Wie haben die Römer übers Prokrastinieren gedacht? (Du kennst das Wort „Prokrastination“ noch nicht? Dann googele oder noch besser: Belege Latein!)
Welche Möglichkeiten haben spätere Generationen gefunden, den Widrigkeiten des Lebens zu trotzen?
Und welche Mittel haben wir heute in dieser Welt, die von vielen zunehmend als beängstigend empfunden wird, uns zu behaupten und ein glückliches, erfüllendes und erfülltes Leben zu leben? Welche Parameter können wir selbst (mit)bestimmen?
Natürlich erst einmal: Im Grundkurs hast du eine Doppel- und einmal eine Einzelstunde Unterricht. Ganz schön wenig für diese vielen spannenden Themen.
Im Leistungskurs allerdings sind es zweimal eine Doppelstunde und einmal eine Einzelstunde, also an drei Tagen pro Woche Latein.
Die wichtigsten Argumente für den Leistungskurs Latein sollten daher sein: Ich habe Spaß daran, die Antike zu entdecken! Ich habe Interesse daran, alte Texte zu entziffern, zu enträtseln, zu entdecken! Lieber täglich Latein als nur zweimal die Woche!
Im Grundkurs übersetzen wir die gleichen Texte wie im Leistungskurs, nur natürlich ein paar weniger. Und wir haben nicht so viel Zeit, um über die Inhalte so intensiv zu sprechen wie im Lk.
Es gelten gemeinsame Anforderungen und Ziele für den Grund- und Leistungskurs zur Grundbildung als Beitrag zur allgemeinen Studierfähigkeit (Wissenschaftspropädeutik), wobei der Unterschied im Umfang und in der Tiefe der gewonnenen Kenntnisse und des Wissens über deren Verknüpfungen liegt. Darüber hinaus zeigt sich das erhöhte Anforderungsniveau des Leistungskurses gegenüber einem Grundkurs in der „Zunahme von Komplexität, Abstraktheit, Breite und Tiefe sowie Differenziertheit“ (z. B. Höhe des Schwierigkeitsgrades, des Abstraktions- und Reflexionsniveaus von Texten und Interpretationsaufgaben) sowie in der Anforderung, verstärkt selbstgesteuert ein höheres Maß an Transferleistungen zu erbringen und problemlösendes Denken stärker einzusetzen.
(aus: Fachbrief 12/2025)
Seit dem Schuljahr 2024/25 bieten wir an der UvH einen besonderen Lateinkurs an, der ALLEN Schüler:innen der Oberstufe offensteht.
Egal, ob du in der Mittelstufe schon Latein hattest oder nicht: Der zweisemestrige Kurs „Latein – Basis für Studium und Beruf“ steht allen offen. Du kannst den Kurs für Q1-Q2 oder für Q3-Q4 belegen. Du kannst den Kurs auch wählen, wenn du Latein als Grund- oder Leistungskurs belegen möchtest.
Wer kann den Kurs „Latein – Basis für Studium und Beruf“ belegen?
Der Kurs ist offen für alle Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, unabhängig von ihrer 2. oder 3. Fremdsprache.
Welche Inhalte erwarten euch in dem Kurs?
Ihr lernt Grundzüge der lateinischen Sprache kennen.
Ihr macht euch mit der Wortbildung der lateinischen Sprache vertraut.
Ihr beschäftigt euch mit der europäischen Medizingeschichte.
Ihr lernt wichtige Fachtermini aus den Bereichen Grammatik, Medizin und Jura.
Ihr erhaltet Einblicke in die Linguistik, einen wichtigen Bereich des Sprachstudiums.
Ihr erarbeitet euch eine solide Basis für eventuell nötige Latinumskurse.
Im Fachblatt LGBB Heft 3/2025 ist ein Artikel über den Zusatzkurs erschienen: https://davbb.de/sammlung-ausgaben-lgbb/lgbb-3-2025/